Website-Ästhetik

Die Ästhetik von Websites beschäftigt nicht nur viele Webdesigner, sie ist zudem ein zentrales Untersuchungsthema in Forschungen zur User Experience. Ästhetik definiert sich dabei durch die subjektiven Empfindungen der Webnutzer, diese positiv zu beeinflussen zeichnet gutes Webdesign aus. Synonym zu Ästhetik wird hierbei auch oft von der Attraktivität von Websites oder der „joy of use“ gesprochen.

Bedeutung von Website-Ästhetik

Der Ästhetikforscher Noam Tractinsky nennt eine Reihe von Argumenten für die Erforschung der Ästhetik von IT-Produkten, die sich auch auf Websites übertragen lassen:

  • Ästhetik befriedigt menschliche Grundbedürfnisse: Für die meisten Menschen besitzen ästhetische Objekte einen inneren Wert, unabhängig von der Funktion. Ästhetik bereitet dem Nutzer Freude; ästhetische Objekte haben zudem einen psychologischen Wert, da sie ihren Besitzer in einem besseren Licht erscheinen lassen.
  • Wahrnehmungspsychologische Bedeutung: Ästhetische Urteile bilden sich sehr schnell und scheinen dabei relativ stabil zu sein.
  • Marktdurchsetzung: Mit der zunehmenden Verbreitung von interaktiven IT-Produkten nimmt auch das Wissen der Nutzer um ästhetische Gestaltungsmöglichkeiten und somit die Bedeutung von Ästhetik in der Praxis zu.
  • Alleinstellungsmerkmal: Ästhetik wird besonders dann zu einem entscheidenden Faktor, wenn in vollen Märkten alle anderen Eigenschaften einer Website (Usability etc.) vergleichbar ausgeprägt sind.
  • Zusammenhang zur Usability: Aspekte von Usability und Ästhetik überschneiden sich. Tractinsky empfiehlt daher eine sorgfältige und diverenzierte Erfassung von Ästhetik.

Aus diesen Argumenten ergeben sich zwei Perspektiven: Zum einen die Wahrnehmung der Nutzer, zum anderen einen wirtschaftliche Perspektive. Aus Nutzersicht ist Ästhetik ein Grundbedürfnis, das zur Zufriedenheit beiträgt und so unter anderem auch zu einer angenehmeren Arbeitsatmosphäre führen kann. Aus wirtschaftlicher Sicht ist für ein Unternehmen die eigene Website ein wichtiger Marketing- und Kommunikationskanal, wobei die Webauftritte der Konkurrenz übertrumpft werden müssen.

Forschungsansätze

Die Ästhetik interaktiver Produkte weckt seit Mitte der 1990er Jahre die Aufmerksamkeit der Forscher und erfreut sich einer zunehmend wachsenden Aufmerksamkeit. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts befassen sich auch zunehmend Forscher speziell mit der Website-Ästhetik. Es finden sich aktuell zwei verschiedene Forschungsansätze: Ein Teil der Studien zielt darauf ab, ästhetische Designfaktoren sowie deren Wirkung auf die Nutzer zu identifizieren. Die zweite Forschungsrichtung versucht durch gezielte Experimente generelle Fragen und Wirkweisen der Ästhetik von Websites zu identifizieren. In vielen Arbeiten ist dabei insbesondere die Beziehung zwischen Ästhetik und Usability von Bedeutung.

Messung von Website-Ästhetik

Während zum Beispiel bei der Web-Usability klar zwischen subjektiven und objektiven Aspekten getrennt werden kann, ist dies bei der stark subjektiv-rezipientenorientiert definierten Website-Ästhetik nicht ohne weiteres möglich. Von den klassischen Methoden der experimentellen Ästhetik kommen gegenwärtig insbesondere Fragebögen zur Erfassung der subjektiven User-Bewertung zum Einsatz. Oftmals wird Website-Ästhetik dabei nur über ein einzelnes Item oder eine nicht-validierte Ad-Hoc-Skala erfasst. Dieses Vorgehen zieht allerdings eine Reihe von Problemen, insbesondere der Reliabilität und Validität nach sich. Es existieren aktuell lediglich zwei standardisierte und validierte Fragebogeninstrumente: Ein englischsprachiges von Lavie und Tractinsky sowie der deutschsprachige VisAWI.

Praktische Hinweise

Die Forschung in diesem Bereich ist noch sehr jung, praktische Hinweise für das Webdesign lassen sich aus den gegenwärtigen Studien bisher nur begrenzt ableiten. Der Brite Alistair Sutcliffe schlägt einige praktische Regeln für ein ästhetisches Webdesign vor:

  • Die Farbwahl sollte ausgeglichen sein und Pastellfarben mit geringer Sättigung für Hintergründe verwendet werden. Es sollten auf einer Webseite nicht mehr als zwei oder drei intensive (gesättigte) Farben genutzt werden.
  • Das Design sollte symmetrisch sein; runde Formen können einen angenehmen Kontrast zu rechteckigen Elementen schaffen.
  • Wichtig ist ein strukturiertes und konsistentes Layout.
  • Über gestalterische Mittel soll Tiefe erzeugt werden.
  • Multimedia-Elemente können zu einer positiven Stimmung beitragen oder die Aufmerksamkeit erhöhen.
  • Persönliche Ansprache der Nutzer, beispielsweise über Avatare, kann von Vorteil sein.
  • Um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen können auch ungewöhnliche Bilder genutzt werden (MAYA-Prinzip).